Pressemeldung: Lehrerversorgung. Inklusion. Gebäude.

Ist unser Schulsystem noch zu retten? Wie steht es um die Bildung in Hessen?

In einem so reichen Land wie Deutschland schmerzt es zu erleben, welch geringen Stellenwert schulische Bildung hat und haben darf. Theoretisch ist allen bewusst, dass wir hier über die „Zukunft unseres Landes“ sprechen, aber für längst überfällige Veränderungen reicht der Wille seit vielen Jahren nicht aus! So „kocht denn auch jedes Bundesland sein eigenes Süppchen“ und gibt unterschiedlich viel für seine Schüler*innen aus.

Zu viele Themen werden aktiv ignoriert: Lehrerversorgung, Aus- und Weiterbildung, Praxisbezug im Studium, Referendariatsplätze, Anreize für die Lehrtätigkeit in Ballungsräumen, Ausstattung der Inklusion, Klassengröße – überall fehlt es an Mitteln und Ressourcen. Daneben erledigen Lehrkräfte immer mehr administrative Aufgaben ohne jeden Ausgleich. Hinzu kommt der „tägliche Wahnsinn“ in Form von Mobbing, fehlender Digitalisierung, Unwissenheit im Umgang mit moderner Technik, Gewalt- und Drogenproblemen, Eltern in all ihren Facetten und deren Nachwuchs – nicht minder vielfältig.

Burnout, Krankheit und Gleichgültigkeit sind die Folgen – auch bei den einst motiviertesten Lehrkräften. Das Kultusministerium beschwichtigt uns, wir seien mit 105prozentiger Lehrerzuweisung doch prima versorgt. Nicht bekannt ist (und nicht bekannt sein soll), wie viele Lehrkräfte davon als Lehrkraft gar nicht zur Verfügung stehen, weil sie entweder abgeordnet sind, z.B. ins Staatliche Schulamt oder andere Ämter, in Museen, für Sonderprojekte ins Ministerium etc.), oder weil sie krank, schwanger mit Beschäftigungsverbot, in Mutterschutz, in Elternzeit oder beurlaubt sind.

Die Schulgebäude verkommen, die Toiletten sind eine Zumutung, neue Schulen baut man last minute und nur unter Druck, Grundstücke sind durch Fehlplanungen nicht verfügbar und Gelder vom Bund können nicht abgerufen werden, weil schon für die Planung die Ressourcen fehlen. Darüber hinaus mangelt es aktuell bundesweit für die kommenden 12 Jahre jährlich an 32.000 Lehrkräften, in naher Zukunft sollen es 50.000 sein. Die KMK beschäftigt sich nur alle fünf Jahre mit der Schulbedarfsplanung. So wundert es nicht, dass für das Jahr 2025 rund 1,3 Millionen Schüler*innen zu wenig eingeplant wurden.

Damit werden in der aktuellen Planung für das Jahr 2025 für Hessen über 98.000 (*) zusätzliche Schüler*innen nicht berücksichtigt. Allein in Frankfurt entspricht das einem Zuwachs von etwa 12.000 zu beschulenden Kindern. Und doch fehlen schon heute Räumlichkeiten, sind die Schülerzahlen pro Klasse zu groß und verzweifeln Lehrer wie Schüler oft an den Rahmenbedingungen für Schule in Hessen.

Es reicht! Deshalb haben sich das Netzwerk Inklusion Frankfurt e. V., das Netzwerk Inklusion Deutschland e.V., der Stadtelternbeirat Frankfurt, der Stadtschüler*innenrat Frankfurt und der Elternbund Hessen e.V. eingehend darüber beraten, welche Änderungen die schulische Bildung in Hessen kurz- und mittelfristig verbessern könnten – sofern Veränderungen nicht nur „geredet“, sondern auch angegangen werden sollen. Lehrkräfte kann man nicht herbeizaubern – aber man kann diejenigen, die da sind, in verschiedenen Bereichen entlasten. Wir halten unsere Anregungen für so realistisch wie pragmatisch und legen sie dieser Pressemitteilung bei.

(*) Rechengrundlage: Bevölkerung BRD Ende 2017: 82,8 Mio, Hessen: 6,25 Mio, FFM 750.000 bis Herbst 2018

Für Rückfragen stehen Ihnen gern zur Verfügung:

Der Stadtelternbeirat Wiesbaden unterstützt die Forderungen aus dem Aktionsplan Bildung in Hessen.

Aktionsplan Bildung in Hessen

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.